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Namensreaktionen

Engl. / Lit.: Staudinger Synthesis

Staudinger-Synthese
Staudinger-Cycloaddition

Die formale [2+2]-Cycloaddition von Iminen zu Keten führt zu β-Lactamen.


Mechanismus

Sowohl Ketene als auch Imine sind Moleküle, die als Nucleophil aber auch als Electrophil reagieren können. Im ersten Schritt addiert das Imin als Nucleophil zum Keten. Die nachfolgende Cycloaddition liefert das β-Lactam:

Die zwitterionische Zwischenstufe vollführt einen elektrocyclischen, conrotatorischen Ringschluss zum β-Lactam-Ring. Gewöhnlich führen (E)-Imine bevorzugt zu cis-β-Lactamen. Ab-initio-Berechnungen haben eine Beziehung zischen Stereochemie des Ringschlusses und des Donor/Akzeptor-Charakters von Substituenten bestätigt.  (R. Lopez et. al., J. Org. Chem. 1993, 58, 7036-7037). Wenn R elektronenliefernd ist, so wird eine nach aussen gerichtete Anordnung mit etwa 10 kcal/mol bevorzugt (“outward”),  die zu einer cis-Anordnung führt, wohingegen elektronenziehende Substituenten R eine nach innen gerichtete Anordnung ("inward") anstreben.

 

Bei tieferen Temperaturen wird eine katalysierte Variante mit nicht-nucleophilen Iminen (z.B. tosylierte Imine) möglich. Umpolung des Ketenes mit einem Nucleophil wie einem tertiären Amin führt zu einem nucleophilen Keten, welches zum Imin addiert:

Dieser umgekehrte Reaktionsverlauf erlaubt den Gebrauch von chiralen, nucleophilen Katalysatoren für enantioselektive Umsetzungen. (Siehe "recent literature" in Staudinger Synthesis).

Diphenylketen ist stabil, aber die meisten Ketene polymerisieren und müssen kurz vor der eigentlichen Reaktion hergestellt werden. Ketene können aber auch in situ in Beisein des Imines z.B. mittels einer licht- oder wärmeinduzierten Wolff-Umlagerung hergestellt werden:

Unter Gebrauch der Umpolung bietet sich die Reaktion eines Säurechlorides mit einem tertiären Amin in Gegenwart eines Protonenschwammes an:

R3N könnte hier ein teurer, chiraler Katalysator wie ein Chinchona-Alkaloid sein, wohingegen der Protonenschwamm in stöchiometrischer Menge genutzt wird. Für achirale Reaktionen würde z.B. NEt3 beiden Funktionen dienen. Die nachfolgende Reaktion liefert den unverbrauchten Katalysator zurück:

Eine generelle Übersicht zur katalytischen, asymmetrischen Synthese von β-Lactamen liefert ein Artikel von Thomas Lectka (Acc. Chem. Res. 2004, 37, 592-600. DOI). Eine Publikation von Claudio Palomo diskutiert im Speziellen Reaktionen von Säurechloriden mit Iminen, behinhaltet aber auch eine Betrachtung von Diastereoselektivitäten und eine genauere Diskussion der mechanistischen Details während des Ringschlusses und der Asymmetrischen Induktion auf den Ringschluss durch Seitenketten des Ketenes (Eur. J. Org. Chem. 1999, 3223-3235. DOI). Der Einfluss von Lösungsmitteln, Additiven und der Art der Keten-Bildung auf die Stereoselektivität wird von Jiaxi Xu beschrieben  (J. Org. Chem. 2006, 71, 6983-6990. DOI).