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05.08.09 Mit Riboflavin-Tetraacetat geprägtes Polymer entfernt Riboflavin aus Getränken

Designer-Polymer macht Bier haltbarer

Templatmoleküle während Polymerisation ermöglichen Herstellung von spezifischen, polymeren Adsorptionsmaterialien

Wissenschaftlicher der Technischen Universität Dortmund nutzen Riboflavin-Tetraacetat, um ein Polymer herzustellen, das selektiv Riboflavin aus Bier entfernt.

Durch Nutzung von Riboflavin-Tetraacetat während der Polymerisation entstehen Bindungstaschen im Polymer, die später selektiv Riboflavin aus Getränken entfernen.
Quelle: B. Sellergren, TU Dortmund, J. Mater. Chem. - mit freundlicher Genehmigung der Royal Society of Chemistry

Wird Bier über längere Zeit im Licht gelagert, so wird es trübe und verdirbt. Schuld daran trägt Vitamin B2 (auch bekannt als Riboflavin), das in Gegenwart von Licht Photooxidations-Reaktionen katalysiert, welche den Geschmack vieler Getränke wie Milch und eben Bier beeinträchtigen. Ein Material, das Riboflavin selektiv entfernt, könnte länger haltbares Bier ermöglichen und lichtundurchlässige Verpackungsmaterialen unnötig machen. Für Bier-Puristen mag die Vorstellung, dass natürliche Inhaltsstoffe aus dem Bier entfernt werden, zwar ein Graus sein, aber die entwickelte, relativ einfache Technologie ist keinesfalls auf den Einsatz bei Bier und Milch beschränkt, so dass die nun vorgestellte Arbeit als Konzeptstudie durchaus interessant ist.

Die Arbeitsgruppe um Börje Sellergren von der Technischen Universität Dortmund nutzt während der Polymerisation zur spezifischen Beeinflussung der Materialeigenschaften das fettlösliche Riboflavin-Tetraacetat. Das Tetraacetat prägt Bindungstaschen ins Polymer ein, die später in der Lage sind, mit Riboflavin zu interagieren. Das Templat-Molekül wird dann mit Methanol extrahiert. Wird das fertige, geprägte Polymer zu Bier gegeben und die Flüssigkeit 24 h lang geschüttelt, so wird der Grossteil an Riboflavin entfernt. Für Milch wurde eine Filtrationsmethode entwickelt, die mit einer konventionellen Säulenchromatographie vergleichbar ist.

Die Gruppe um Sellergren möchte die Technologie nun weiterentwickeln: Aufarbeitung von nuklear verunreinigten Abwässern und Aufreinigung von Antikörpern aus biotechnologischer Produktion sind einige mögliche, hoch interessante Anwendungsgebiete, die zur Zeit untersucht werden. Das Konzept scheint aber sehr universelle Einsatzmöglichkeiten zu bieten, so dass spannende Anwendungen solcher "Molekular geprägter Polymere" (MIP) zu erwarten sind.

Quelle:

Water-compatible imprinted polymers for selective depletion of riboflavine from beverages
P. Manesiotis, et. al., J. Mater. Chem. 2009, DOI: 10.1039/b906117g

Bitte zitieren Sie die Seite wie folgt:

Mit Riboflavin-Tetraacetat geprägtes Polymer entfernt Riboflavin aus Getränken
(URL: http://www.organische-chemie.ch/chemie/2009/aug/template.shtm)

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