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17.02.10 Markierte Wirkstoffe erleichtern Diagnose von Bauchspeicheldrüsenkrebs

Gut oder böse?

Neue Moleküle versprechen bessere Diagnose von Bauchspeicheldrüsenkrebs

Die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs ist häufig ein Todesurteil. Ein Grund dafür ist, dass diese Krebsart mit den heutigen Diagnosemöglichkeiten meist erst im Spätstadium entdeckt werden kann, wenn Heilung nur noch schwer möglich ist. In einem von der EU geförderten Projekt haben 23 Forschergruppen aus sechs Ländern neue Ansätze für eine verbesserte Diagnose des Bauchspeicheldrüsenkrebses erarbeitet. An der Ulmer Klinik für Nuklearmedizin wurden neue Moleküle entwickelt, die in Kombination mit bildgebenden Verfahren bösartige Veränderungen früher anzeigen können.

Abb. 1: Diagnostik des Bauspeicheldrüsenkrebses
Quelle: UK Ulm

Die Wissenschaftler machten sich dabei zu Nutze, dass sich Tumorzellen häufiger und anders teilen als normale Zellen. "Ziel ist es, Moleküle zu finden, die auf die Besonderheiten der Tumorzellen reagieren, und sich genau dort anreichern. Für Ärzte zur Diagnose sichtbar werden die Anreicherungen durch eine radioaktive Markierung der Moleküle, die man wiederum in bestimmten bildgebenden Verfahren sichtbar machen kann", erläutert Prof. Dr. Sven Norbert Reske, der Ärztliche Direktor der Klinik für Nuklearmedizin, das Grundprinzip. Als bildgebendes Verfahren kam Positronen-Emissions-Tomographie (PET) zum Einsatz - also ein Verfahren der Nuklearmedizin, das emittierte Positronen von schwach radioaktiv markierten Substanzen sichtbar macht.

Solche Moleküle zu finden und herzustellen, ist aufwändig, da ihre Anbindung an die Tumorzellen und ihre radioaktive Markierung zielgerichtet funktionieren und verträglich sein müssen. Ein Molekül, das die Ulmer Arbeitsgruppe entwickelte, spricht auf eine erhöhte Anzahl von Transporterproteinen auf der Oberfläche von Tumorzellen an. "Ein weiteres Molekül macht in einer speziellen Phase der Zellteilung die Synthese einer bestimmten Nukleinsäure, der RNA, die z. B. bei der Übertragung oder Übersetzung von Erbinformationen hilft, sichtbar", so Reske. "Beide Moleküle könnten uns eines Tages helfen, Bauchspeicheldrüsenkrebs besser zu diagnostizieren und z. B. von anderen gutartigen entzündlichen Erkrankungen abzugrenzen. Bis Patienten eines Tages davon profitieren können, müssen jedoch noch weitere Studien durchgeführt werden", blickt Professor Reske in die Zukunft.

Abb. 2: SAENTA-I - ein hENT1-Inhibitor - hat sich als geeignetes Molekül herausgestellt, um mit PET/SPECT-Radioisotopen markiert Bauchspeicheldrüsenkrebs sichtbar zu machen. hENT1 ist ein Protein auf der Zelloberfläche, das für den Transport von Nucleosiden zuständig ist.

Bereits bekannte, in ihrer Struktur den neu entwickelten verwandte Moleküle wurden erst kürzlich in einer klinischen Studie mit 31 Patienten geprüft, die zeigte, dass die Erkennung und die Abgrenzung von anderen Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse erleichtert wurde. Die Studie führte der Nuklearmediziner PD Dr. Andreas Buck, der aus der Ulmer Arbeitsgruppe stammt, an seiner neuen Wirkungsstätte an der TU München durch.

Quelle:

Towards to hENT1-nucleoside transporter selective imaging agents. Synthesis and in vitro evaluation of the radiolabeled SAENTA analogues
S. P. Chinta, Bioorg. Med. Chem. Lett. 2009, DOI: 10.1016/j.bmcl.2009.07.017

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Markierte Wirkstoffe erleichtern Diagnose von Bauchspeicheldrüsenkrebs
(URL: http://www.organische-chemie.ch/chemie/2010/feb/ct-diagnose.shtm)

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